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Courrier der Leser

Deutschland mal anders...

la France autrement ?

III. Tagung des Gerhard Kiersch Vereins

Pavés auf der Straße, morgendliche Sonnenstrahlen fallen auf die grün verkleidete Fassade der Boulangerie, in der strahlend schöne Menschen ihre leckeren Baguettes kaufen und angeregt miteinander diskutieren - dabei gestikulieren sie lässig mit der französischen Zigarette, die für dieses Bild des lockeren Lebens steht.

Kopfsteinpflaster, der Regen zaubert Pfützen auf die Straße, deren spiegelnde Oberfläche durch das schleichende Rollen eines Autoreifens durchbrochen wird, ein Ball rollt auf die Straße, Kinderschuhe laufen ihm hinterher, die Autoreifen halten nur zwei Zentimeter vor dem Ball - deutsche Präzision und Wertart hat das Schlimmste verhindert.

Französische Lebensart - deutsche Solidität, dies sind nur zwei der gängigen Klischees über Deutschland und Frankreich, wie sie in der Werbung, aber auch im Journalismus und im Schulunterricht verbreitet werden.

Der Umgang mit Bildern über das Nachbarland soll Thema der dritten Tagung des Gerhard Kiersch Vereins sein. Praktiker aus den Bereichen Werbung, Journalismus und Schule sollen über die Verwendung von Stereotypen und deren Entwicklung in den letzten Jahren berichten. Eingeleitet werden soll die Diskussion von der Berufsgruppe, die sich am häufigsten solcher Bilder, bei denen es vor allem auf die Signalwirkung ankommt, bedient.

Französische Werbespezialisten für den Verkauf in Deutschland und ihre deutschen Pendants sollen das Publikum über ihre Vorgehensweise bei der Konzeption ihrer Werbekampagnen aufklären. Selbst wenn sich die Werbung großzügig gängiger Stereotype bedient, so haben die bessere Kenntnis der Bevölkerungen der beiden Länder und das Auftauchen neuer, zu vermarktender Produkte zu einer Wandlung des Deutschland- bzw. Frankreichbildes geführt - oder? Journalisten und Gymnasiallehrer werden in einem zweiten Block die Schwierigkeit diskutieren, solche Bilder zu vermitteln, die der Realität nahekommen sollen.

Der pädagogische, aufklärerische Anspruch steht in diesen beiden Bereichen oft immer im Widerspruch mit der verlangten Kürze und Einfachheit. Klischees und Stereotype stellen dabei immer wieder einen verlockenden Weg dar, um komplexe Geschehnisse verständlich darzustellen.

Wie kann dieser Verlockung widerstanden werden und welche Klischees werden trotz allen guten Willens doch immer wieder kreiert? Jeweils zwei Auslandskorrespondenten/ -innen und zwei Gymnasiallehrer/ -innen werden diese Frage mit dem Publik erörtern und diskutieren. Der Ablauf der Tagung wird in thematischen Blöcken vor sich gehen.

Ziel ist in erster Linie nicht ein Vergleich der Deutschland- und Frankreichbilder. Vielmehr geht es darum, zu verstehen, wie diese Bilder entstehen, vermittelt und tradiert werden. Inwieweit helfen diese Bilder dem Verständnis und der Kenntnis des Nachbarlandes weiter und inwieweit sind sie diesem hinderlich? Kann man diesen Bildern entkommen, ja eventuell sogar neue schaffen? Dies sind die zentralen Fragen, denen das Publikum, Ehemalige des Deutsch-Französischen Studienzyklus und ihre Freunde, und die Referenten auf die Spur kommen möchte.

Damit der Zeitplan diese Entdeckungsreise nicht all zu früh beendet, lädt der Gerhard Kiersch Verein am Abend zu einem Empfang, auf dem die Diskussionen des Nachmittags weitergeführt werden können. Begleitet wird die Tagung außerdem von einer Ausstellung der aktuellen Studierenden des Deutsch-Französischen Studienzyklus, die sich anhand verschiedener Medien (Photo, Video, Sprache/Schrift, etc.) mit der Darstellung ihres eigenen Landes im Nachbarland auseinandersetzen sollen.

Cordula Thum

 

 

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