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Wohnungssuche in Paris «A louer. Charmante studette tt confort, kitchenette, sdb, dans immeuble résidentiel, Metro Rue du Bac. 3000 F+charges».... Zwei deutsche Studenten auf Wohnungssuche in Paris. Zwei Erfahrungen im Dschungel der Vermieterhaie. Chacun cherche son appart’ Eigentlich war alles ganz einfach. Nicht so schlimm, wie Unkenrufe von Freunden vermuten liessen, die in Paris schon mal auf Wohnungssuche waren. Ich muss weder unter einer Treppe mit Vorhang schlafen, noch ein Zimmer mit fünf Spaniern teilen. In das Zimmer, das ich jetzt besitze, passt neben dem 60x160cm Bett auch noch eine Nachttisschlampe. Ich muss zwar das Bett an die Wand klappen, wenn ich die Tür aufmache und die Tür wieder schliessen, wenn ich das Fenster öffne, dafür kostet es auch nur halb soviel wie die 150qm Wohnung meines Onkels im Herzen von Berlin. Spottbillig, nichts im Vergleich zu London oder New York. Gleich an meinem ersten Wohnungssuchtag traf ich auf einen Amerikaner, Robert oder Bob, der einen «roommate» fuer sein 15qm Zimmer suchte, im Herzen des 11.Arondissements. Er selbst war Untermieter im Appartement einer Frau mit Kind, Parkett, Kuechenbenutzung und Sitzklo waren im Preis inbegriffen. Kostenpunkt: 2750FF pro Person im Doppelzimmer. Mit einem warmen Händedruck und Tränen in den Augen verabschiedete ich mich von Bob. Ich wollte nicht mit ihm das Zimmer teilen und hatte auch keine 2750FF. Bob rief mir noch auf der treppe hinterher: «Überlegs` dir gut, my friend, so ein Schnäppchen findest du nie wieder.» Bob war aus New York. Das nächste Apartement, dass mir angeboten wurde, hatte zwei Etagen. Man kam in das Zimmer, im Untergeschoss war ein Klappgestell und ein Tisch, das Obergeschoss war das Bett. Falls man nicht den ganzen Tag sitzen oder liegen wollte, konnte man auf die Toilette im Gang ausweichen, dort konnte man nur stehen. Man wusste sofort wo. Der einzigste Platz für die Füsse waren zwei Kerben im Boden mit einem Loch dazwischen und einem Rohr an der Wand zum festhalten. Zog man an der Schnur über einem, fing es unter den Füssen an zu rauschen. Ich überliess die Wohnung der nachfolgenden japanischen Geologiestudentin Hitomi, die bei ihren 1m50 nur ihre High Heels ausziehen musste, um nicht gegen die Bettbalken zu kallen. Fündig wurde ich schliesslich an einem kalten verregneten Sonntag, zwei Wochen später. Ich borgte mir einen Armani, bestellte eine Limousine, fälschte etliche Papiere und schrieb im Namen meines Vaters einen Brief, Briefkopf Deutsche Bank, in dem er mir versicherte, mir jeden Monat die Summe von 50.000FF zukommen zu lassen. Nachdem ich die Vermieterin und ihre Familie ins teuerste Restaurant von Paris eingeladen hatte, war der Handel perfekt. Manchmal ist es einfacher als man denkt. Joachim Muehleisen
Erika und die Miethaie Den ersten Schock hatte ich am Tag meiner Ankunft. Es war ein Freitag Mitte September. Wild entschlossen, so schnell wie möglich ein Zimmer zu finden, in dem ich mich für die Dauer meines einsemestrigen Erasmusaufenthaltes in Paris wohlfühlen würde, kaufte ich mir wenige Stunden nach meiner Ankunft die Zeitung „Particulier à Paticulier». Natürlich nur um einen Preisvergleich zu machen, wußte ich doch, daß die Wohnungen, die in dieser Zeitung angeboten werden, meist schon am Donnerstag Abend, am Tag der Herausgabe, vergriffen sind. Die Preise hatten es in sich! Ich begriff, daß ich wohl doch mit der doppelten Miete meines Gasetagenheizung-Badewannen-Balkon-Zimmers in Berlin rechnen muß! Auch die zweite Suchmöglichkeit war schon gescheitert. Von Berlin aus hatte ich mich mit sämtlichen Bekannten und Freunden in Paris in Verbindung gesetzt. In Berlin ist das ja durchaus eine gute Möglichkeit: du kennst jemand und der kennt jemand, die wiederum jemanden kennt, die gerade auszieht und im Nullkommanichts hast du ein Zimmer. Nicht so hier. Dennoch war ich guter Hoffnung, als am Montag darauf der zweiwöchige Sprachkurs für ErasmusstudentInnen anfing. Bei dem französischen Freund konnte ich ja noch eine Woche bleiben und der Sprachkurs fand nur Vormittags statt. Es war auch beruhigend, daß ich nicht alleine war mit dem Suchproblem, noch war es ja kein Problem, und alle anderen AustauschstudentInnen waren ja auch damit beschäftigt. Paris ist eine große Stadt, da wird ja wohl für alle was zu machen sein! Doch das nettgemeinte „Hast du schon etwas?», „Nein, aber heute habe ich nochmal drei Besichtungstermine...» sollte uns in den folgenden zwei Wochen zunehmend zu KonkurrentInnen machen. Ungewollt trafen wir uns an allen Ecken und Orten, an denen es eine Chance auf eine passende Unterbringung geben könnte: vor den Anzeigetafeln der église américaine, im Goethe-Institut oder in der englischsprachigen Buchhandlung, am Tag der (vermeintlichen) Herausgabe des neuen FUSAC-Heftes, dem französisch-amerikanischen Annoncenblatt. Hatten wir Anfangs noch wohlmeinend jeden Tip in die Runde gegeben, fingen wir später an, uns die verschiedenen "Pisten" zu verheimlichen. Als am Donnerstag mal wieder das "Particuler à Particulier" erschien, fehlten im Sprachkurs über die Hälfte der TeilnehmerInnen. Wir anwesenden waren auch nicht bei der Sache, denn das Fehlen der anderen stellte unsere eigene Zukunft in Frage und hinterließ das Gefühl, einen großen Fehler gemacht zu haben. Wußten wir doch inzwischen alle, daß die dort angepriesenen Wohnräume schon am frühen Nachmittag vergeben sein würden! Nichtsdestotrotz: die Bandbreite an Zimmern in Paris ist immens! Und einige davon hatte ich bis zu dem Zeitpunkt auch schon besichtigt. Eines war sogar umsonst: ein chambre de bonne direkt unterm Dach, möbliert mit Bett und Schrank und einem halben Meter zum Umdrehen. Dafür sollte ich nur zweimal in der Woche die Betreuung des Ehemannes der älteren Dame übernehmen. Und: keinen Besuch empfangen, auch nicht zum Kaffeetrinken. Ein anderes Zimmer war größer und im begehrten Stadtteil Belleville zu finden. Bis zum Besichtigungstermin stand nur der Preis von 2000 F fest und das es in einem studio à partager gelegen sei. Das gefiel mir ganz gut, würde ich doch in einer WG mit einem Franzosen die Sprache recht häufig praktizieren können. Dort stellte ich dann fest, daß das Zimmer ein Durchgangszimmer ist. Der potentielle Mitbewohner verdient sein Geld mit der Heilkunst, was ich erst sehr interessant fand, dann jedoch etwas erstaunt war, daß ich mein Zimmer dadurch nur zu bestimmten Zeiten nutzen dürfe. Denn es ist gleichzeitig der Warteraum für die Patienten! Dann fand ich doch recht schnell "mein" Zimmer. Eine Einraum Wohnung, möbliert mit guter Anbindung an meine Uni. So bot ich dem Vormieter an, das Geld für die Zeit bis zum Monatsende an ihn direkt zu zahlen. Auch auf seine Forderung 500F "nur so" an ihn zu zahlen, ging ich ohne viel zu überlegen ein, denn wie er selbst sagte, sei ich nur eine von 100, die die Wohnung haben will. Ich dachte mir auch nichts Schlimmes als er verkündete, ich könne keinen Mietvertrag bekommen und schlug zu. Um die schnelle Abwicklung zu feiern, lud er mich auf ein Bier ein; vier Tage später zog ich ein. Der Nachteil ist, so stellte ich später fest, daß ich ohne Mietvertrag weder Allocation noch eine carte de séjour bekommen kann. Dennoch bin ich zufrieden, eine Bleibe gefunden zu haben. Auch die anderen ErasmusstudentInnen haben früher oder später eine Unterkunft gefunden. Mehr oder weniger günstig: ein anderer Berliner hat zwar etwas, aber erst ab November. So wohnen wir jetzt erstmal zu zweit! Erika Krech
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