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Von Pinseln und Flügeln
Der Maler, Grafiker und Bildhauer Dieter Wagner
"Ich lebe mehr für die Realität meiner Träume, als im Trauma der Wirklichkeiten, weil ein Mensch gerade so einen winzigen Teil des Geschehens in der Welt positiv beeinflussen kann. Vielleicht."
Doch das Trauern des Engels wandelt sich - der letzte in der Serie wendet sich ab von den endlosen Schlachten, die ihm unerträglich werden: das Opfer bleibt allein. Ein Appell an den gesunden Menschenverstand... "Durch die Anzahl
Mit diesem Motto reflektiert der Künstler Dieter Wagner nicht nur seine persönliche Einstellung zum Leben, sondern benennt auch die Herausforderungen, denen sich seine Kunst stellen will.

der Skulpturen will ich zeigen, daß hier eine unzumutbare Folge von menschlichem Versagen gegeben ist, das aufhören könnte, dank der Möglichkeit des Rückblicks." Aus Dieter Wagners Zeichnungen für

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Während der heute 56-jährige in seinen frühen Werken Gewalt, Haß und Überfluß karikierte, hat er das satirische aggressive Gebiet bald verlassen, denn, so Wagner, "herauszufinden, wo sich das Gute im Menschen versteckt hält und sich entdecken läßt, erschien mir reizvoller." Seit Abschluß seines Studiums an der Kunsthochschule Wuppertal kann der Maler, Grafiker und Bildhauer Dieter Wagner auf zahlreiche Ausstellungen rund um die Welt unter anderem in Paris, Madrid, Berlin, München, Rom, Chicago, Houston, Brüssel und Tokyo zurückblicken. Nach 27-jähriger Tätigkeit als freischaffender Künstler hat er nun beschlossen, sein Wissen weiterzugeben. Deshalb gründete der gebürtige Konstanzer 1997 das Zeichenstudio "Z", das sich 30 km südlich von Berlin, im brandenburgischen Klausdorf am Mellesee befindet. In einer stillgelegten Ziegelei, weit genug entfernt vom Lärm der Großstadt, sollen sich künstlerische Inspiration und Einfälle in Ruhe und Natur entfalten können. Und an Inspiration fehlte es ihm bisher nie... Seit Juli letzten Jahres säumen zwei Kopien der "Borghesischen

die Engelsfiguren entstand der Kurzfilm ‚Les Anges', der 1977 auf den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet wurde. Wagner plant nun, die tönernen, ca. 50 cm hohen Modelle in lebensgroße Figuren aus Bronze gießen zu lassen, die im Kreis Teltow-Fläming ihren Platz finden könnten. Seine Idee, sie ebenfalls die B 96 säumen zu lassen, wird ebenso diskutiert, wie die eines SPD-Landtagsabgeordneten, die Skulpturen auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag bei Luckenwalde aufzustellen. Eine andere Idee Wagners ist, sie entlang der

Überreste ehemaliger deutscher Bunker und Schutzwälle in der Normandie oder im Umland von Straßburg ihre mahnende Funktion erfüllen zu lassen. Ebenso im Zeichen einer zum Denken und
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Verändern anregenden Kunst steht Dieter Wagners Projekt "Crescendo". Als Symbol universeller Freundschaft und globaler Zusammenarbeit hat er eine Brücke aus Glas und Stahl entworfen, die 200m hoch, 400m lang und 70m breit sein wird. An welchem Ort der Welt "Crescendo" aus dem Meer wachsen soll, steht noch nicht fest. Die Bauzeit wird insgesamt drei Jahre betragen, denn die Brücke soll gleichzeitig Raum für multifunktionellen Gebrauch bieten: 300 000 m² vermietbare Nutzungsfläche für Wirtschaft, Forschung und Kultur sollen entstehen. In einem gläsernen, kreisförmigen Fahrstuhl, der ebenfalls als Konzertsaal dienen wird, sollen gleichzeitig 4000 Besucher die drei Ebenen erreichen können. Eine weitere Besonderheit dieses Projektes ist der unvollendete mittlere Brückenbogen: an ihm wird nur weitergearbeitet, solange es Fortschritte friedvollen Zusammenlebens gibt - irgendwo auf der Welt. Ein visionärer Künstler, der sicher nicht einfach nur die Welt schöner pinseln will, sondern auch die zerstörerische Natur des Menschen anklagt. Damit er vor allem sein letztes Projekt verwirklichen kann, ist Dieter Wagner auf der Suche nach Sponsoren, die ihn dabei unterstützen, seinen Ideen Flügel zu verleihen...

Artikel und Fotos von Charlotte Gugenheim und Franka Braun

Fechter", Wagners Kunstwerk "Konversion", zu beiden Seiten die Landstraße zwischen Sperenberg und Rehagen im Landkreis Teltow-Fläming. Der Künstler will damit in einem der größten einst militärisch genutzten Gebieten Europas ein Symbol für den Frieden zu setzen. Der originale "Borghesische Fechter", den
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Agasias aus Ephesus um das Jahr 90 v.Chr. aus Marmor gehauen hat, befindet sich im Pariser Louvre. Im Gegensatz zu den zwei Kopien vor dem Schloß Charlottenburg, die streitsüchtig aufeinander losgehen, stehen Wagners Skulpturen unbewaffnet und voneinander abgewandt auf zwei Pfeilern einer zerstörten Brücke. Sie lassen sich in Frieden. Als im September zwei Spaziergänger glaubten eine Leiche im Mellesee gefunden zu haben, handelte es sich um einen aus dem Wasser ragenden Arm, der einem der Fechter ausgerissen wurde. "Blinde Zerstörungswut, die zeigt, wie notwendig es ist, Friedenssymbole aufzustellen", sagt Wagner. Obwohl er sich bewußt ist, daß man auch Bronze zerstören kann, entwarf der Künstler eine Reihe von 23 bronzenen Statuen - jeweils ein Trauerengel, der ein Kriegsopfer beklagt. Die Idee entstand, während Wagner in Frankreich
lebte. Fast in jedem Dorf fand er dort Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, auf denen Trauerengel dargestellt waren. Wagners Skulpturen-Reihe sollAuskunft geben über die grausame Kontinuität des Krieges in der
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Menschheitsgeschichte. Opfer sinnloser Gewalt aller Epochen - von der Antike über das Mittelalter bis zum jüngsten Krieg im Kosovo - werden von der gleichen Engelsfigur getröstet.
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