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Deutschland mal anders,
la France autrement

Die III.Tagung des AGKV fand am 15. April 2000 im Roten Rathaus zu Berlin statt. Julia Suck berichtet...

"Deutschland mal anders - la France autrement" : mal anders ? Die deutsch - französischen Beziehungen erstrecken sich heute auf vielerlei Ebenen, scheinen aber trotz dieser engen Kooperation nicht davon losgelöst zu sein, Vorurteile und Stereotypen zu produzieren und aufrechtzuerhalten, die prägend auf das Bild des Partnerlandes wirken. Deutsche Gründlichkeit, französisches Savoir-vivre sind nur zwei dieser gängigen Klichees. Der Umgang mit diesen Bildern stellt sich vor allem dann als problematisch dar, wenn nicht mehr das Bemühen um gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen im Vordergrund steht, sondern die bereits vorhandenen Bilder (Klichees, Stereotypen, Vorurteile) zu bestätigen gesucht werden - obwohl in der Realität sicherlich eine Menge mehr und anderere Attribute ein Land ausmachen. Eine wichtige Rolle bei der Konstituierung und der Entwicklung solcher Bilder nimmt die Schule ein, bei der im fremdsprachlichen Unterricht oftmals auf Simplifizierungen zurückgeriffen werden muß, um den Schülern das Land näher zu bringen. Aber auch im Journalismus wird vielfach mit (stereotypen) Bildern gearbeitet, um komplexe Sachverhalte einfacher darzustellen. Unterstützt wird eine solche Problematik in unserer medialen Welt sicherlich auch durch die beispielsweise in der TV-Werbung präsentierten "Liberté toujours"-Franzosen und die guten, robusten und sicheren deutschen Autos - jedem Wetter und jeder Notlage gewachsen. Betrachtet man die Problematik aus einer solchen Perspektive, könnte man die These aufstellen, daß Stereotype und Klicheebilder die Zusammenarbeit auch im deutsch-französischen sicherlich vielfach erschweren, da eine mangelnde Sachkenntnis und zu geringes Verständnis für das Partnerland vorhanden sein könnte.
"Deutschland mal anders, la France autrement" lautete deshalb das Motto der III.Tagung des AGKV, die am 15. April 2000 im Roten Rathaus zu Berlin stattfand. Aber was sollte "anders" sein? Anders sollte der Umgang mit dieser Problematik sein - die gängigen Klichees sollten kritisch hinterfragt werden. Anders sollte auch sein, daß ein Forum geschaffen wurde, bei dem eine Herangehensweise aus verschiedenen Perspektiven an das Thema möglich war. So berichtete die Marketingspezialistin Laurence Courbin von DaimlerChrysler France vor allem von der Internationalisierung der Zusammenarbeit und der Entwicklung der Marke "Mercedes". Nicht (mehr) das klassische Bild des deutschen Produktes (solide, robust, ...) stehe bei der Vermarktung im Vordergrund, sondern die Modernisierung des Images der Marke an sich - zum Beispiel der A-Klasse, um "Mercedes" einer breiteren Käuferschicht attraktiv erscheinen zu lassen. In diesem Bereich scheint sich also eine gewisse Aufhebung der Stereotype anzudeuten. Auch die eingeladenen Deutsch- beziehungsweise Französisch- Lehrer äußerten sich dahingehend, daß sie versuchen, den Schülern ein realistisches Bild des Nachbarlandes zu vermitteln und diese davor zu bewahren, in Stereotype zu verfallen. Im Journalismus hingegen berichteten die Referierenden Susanne Gabriel (Associated Press Paris) und Pascal Thibaud (RFI Berlin) von der weiterhin bestehenden Notwendigkeit, bei der Berichterstattung auf Stereotypen zurückzugreifen. Diese liegt aber nicht nur an der oftmals erforderlichen Simplifizierung sondern auch an der Tatsache, daß sich klicheebehaftete Artikel besser zu verkaufen scheinen, als neu- oder andersartige Aspekte des anderen Landes. Kurz, anders als erwartet waren auch die Resultate, die sich aus den Berichten der Referierenden ergaben und viel zu Diskussion und Reflexion beitrugen. Über die Thematik nachgedacht haben auch die derzeitigen Studierenden des derzeitigen Studienzyklus, deren Ansichten über das Partnerland - jenseits der klassischen Bilder - im Rahmen einer audiovisuellen Photoausstellung gezeigt wurden. Das Andere hiebei war, daß diese Ausstellung eröffnet und finanziert wurde von einer Persönlichkeit einer ganz anderen Generation. Herr Simon Lazard konnte aus einer ganz anderen Sicht von den deutsch-französischen Beziehungen und den unterschiedlichen Bilder über das Nachbarland berichten: 1945 war er im Alliierten Kontrollrat das erste Mal in Berlin und später im deutsch-französischen Industriebereich tätig. Last but not least waren sicherlich auch einige andere Dinge anders als man gewöhnlich bei einer seriösen Veranstaltung im Roten Rathaus vermuten könnte - insbesondere am Schluß der Tagung... Nicht nur, daß die bei einem Gläschen Sekt und frühlingshaftem Sonnenschein begonnene Tagung mit einem guten Buffet mit schmackhaftem Wein bei kräftigem Gewitter und leuchtenden Blitzen endete, nein: den wirklich krönenden Abschluss bildete ohne Zweifel der "dämonisch" getanzte Salsa des engeren AGKV-Kreises in den Räumen des Roten Rathauses, begleitet von einem graziös schwebenden Engel...

Julia Suck

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