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Nr.
5 / numéro 5 (April-Mai 2002 / avril-mai 2002)
EHEKRACH
:
HOHENFLÜGE
A LA CHIRAC - Franzosen können über "Scharpingiaden"
nur milde lächeln ...
Im
September letzten Jahres wäre Verteidingungsminister Scharping beinahe
wegen seiner Mallorca-Flüge mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr
zurückgetreten. Ein Kommentar von Christophe Bourdoiseau, Deutschland-Korrespondent
der französischen Zeitung "Le Parisien" mit Sitz in Berlin
Wenige
französische Politiker hätten in Deutschland eine Karriere machen
können. Es ist einfach zu gefährlich, in diesem Land ein Flugzeug
zu besteigen. Nimmt man einen Flug auf Kosten eines Unternehmens oder
einer Bank an - schon ist man anderntags zum Rücktritt gezwungen.
Erst recht, wenn man als verliebter Minister einen Umweg über Mallorca
nach Mazedonien - und dies auch noch mit einer Bundeswehrmaschine - macht.
Dann wird die Aufregung erst richtig groß. Etwas, was man in Frankreich
ganz und gar nicht verstehen kann. Für einen französischen Präsidenten,
einen Minister oder auch nur einen einfachen Abgeordneten wäre das
Leben in Deutschland unter solchen Bedingungen einfach viel zu stressig.
Bei uns ist es nicht allzu kompliziert, als Gast in einen Privatjet zu
steigen oder Militärmaschinen statt Linienflüge zu benutzen.
Außerdem: In Frankreich reagieren die Wähler nicht so emotional,
was den Umgang von Politikern mit öffentlichen Geldern angeht.
Und wozu auch die Aufregung in Deutschland über eine solche Lappalie,
wenn bei uns Jacques Chirac, der direkt gewählte Präsident,
sich eigenhändig und großzügig aus der Kasse der Republik
bedient. Als er noch Bürgermeister von Paris war, hat Chirac gleich
mehrere Privatflüge mit öffentlichen Geldern bezahlt. Und es
waren beileibe keine Umwegflüge nach Mallorca à la Scharping.
Nein, ein Jacques Chirac fliegt direkt in den Urlaub - auf Staatskosten.
Einmal, im Sommer, nach Amerika. Ein anderes Mal zum Wintersport nach
Japan. Mehr als 350 000 Euro ließ er sich das kosten, wie er inzwischen
eingestehen musste. Bezahlt habe er dies alles "mit persönlichen
Spesen". Mehr weiß man auch bis heute noch nicht.
Im Gegenteil! Allen, die neugierig nachfragten, beschied der Präsident
ebenso kurz und bündig wie staatstragend: "Frankreich versucht
immer, seine eigenen Institutionen in Frage zu stellen. Es gibt nichts
Gefährlicheres für eine Demokratie." "Basta",
aus und Schluss möchte man da mit dem deutschen Bundeskanzler sagen.
Bei der Gelegenheit erfuhren die Franzosen auch wieder einmal von den
"Geheimfonds" des Präsidenten. Mehr als 50 Millionen Euro
stehen ihm und der Regierung jedes Jahr an "legalem Schwarzgeld"
zur Verfügung. Der Betrag wird sogar vom Parlament bewilligt. Und
während sich in Deutschland alle über Geld in schwarzen Koffern
aufregen, fährt in Frankreich auf Anweisung des Präsidenten
höchstselbst ein Auto vor der Zentralbank vor, dienstbare Geister
heben das Geld des "Geheimfonds - in bar, versteht sich - ab und
verteilen es anschließend an die einzelnen Minister und den Präsidenten.
Warum also die ganze Aufregung in Deutschland? Ein paar Wochen nach dem
Chirac-Skandal haben die Franzosen all dies bereits vergessen. Acht Monate
vor den Präsidentschaftswahlen liegt Chirac vorn bei den Umfrageinstituten.
Selbstredend gibt es auch weiter den "Geheimfonds".
Also: Nur nicht aufregen bei deutschen "Scharpingiaden". Wir
Franzosen können darüber nur milde lächeln. Bei uns haben
Filz und Korruption eine andere Dimension. C'est la vie. Leider.
Christophe Bourdoiseau
(Dieser
Kommentar ist in der Zeitung «Handelsblatt» erschienen)
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